Der Nudelbaum

 

Der Nudelbaum

 

Es war einmal eine kleine, niedliche Prinzessin, die mochte Nudeln mit Soße am liebsten. Wenn es keine Nudeln mit Soße gab, trat sie in den Hungerstreik. Die Königin schaute sie dann immer böse an, doch das half nichts, sie wollte das nicht essen, was auf ihrem Teller lag. Der König meinte: „Dann bekommst du heute eben nichts zu essen“, und genoss das leckere Mahl. Beleidigt ging Prinzessin Nudisi in ihr Zimmer und schmollte, ließ sich zwei Tage nicht sehen. Am zweiten Tag ging die liebe Königin zu ihr und sagte: „Mein lieber Engel, es gibt heute Nudeln mit Soße.“ Da sprang die kleine Prinzessin auf und folgte ihrer lieben Mutter in den riesigen, noblen Speisesaal, lächelnd schaute der König sie an. Vier Tage hintereinander gab es da Nudeln mit Soße, der breite, große Koch musste sich jeden Tag etwas Neues einfallen lassen. Doch nach vier Tagen hatte der riesige König keinen Hunger mehr auf Nudeln mit Soße. „Oh, schade, keine Nudeln mit Soße“, rief Nudisi und trat in den Hungerstreik. Die schöne Königin Nududa kümmerte sich nicht darum, auch nicht der König Nadulo. So ging es bis zu ihrem 14. Geburtstag. Eine ganze Zeit lang gab es keine Nudeln mit Soße, da der König sich mit dem Händler gestritten hatte, der ihm immer Nudeln besorgte. Prinzessin Nudisi wurde immer dünner, der König versuchte alles, um an Nudeln zu kommen, aber keiner konnte ihm Nudeln liefern. Da lief die dürre, schöne Prinzessin davon in den dichten Wald hinein. Sie wäre fast verhungert, doch ein guter Zauberer fand sie, sie lag an einem dicken, knorrigen Baum. Er hob sie hoch und nahm sie mit zu seiner kaputten, schiefen Hütte. Erst als er sie auf das alte Bett legte, erwachte sie, erschrocken schaute sie ihn an. „Na, endlich bist du wach, ich dachte schon, du würdest gar nicht mehr aufwachen. Hab nur keine Angst, Kleine, ich tue dir nichts. Sag mal, was magst du am liebsten?“ Sie schaute den Zauberer an. „Am liebsten mag ich Nudeln mit Soße!“ – „Nudeln mit Soße“, lachte der dreckige Zauberer, der neben ihr auf einem halb zerbrochenen Stuhl saß, und ging ohne etwas zu sagen nach draußen. „Nudeldie nudeldo nudeldam, erwache, Nudelstamm!“ Blitzschnell schoss ein Baum aus der Erde, nach fünf Minuten war er acht Meter hoch, an seinen Ästen hingen Nudeln, so viele Nudeln, dass man damit ein kleines Dorf ernähren könnte. Lächelnd erntete der dreckige Zauberer einige Nudeln, suchte im dichten grünen Wald Wurzeln und ging in seine kaputte Hütte. In einer kleinen Ecke stand ein Ofen, daneben ein Tisch und Stuhl, er füllte Wasser in einen großen Topf, wartete, bis es heiß war, und legte einige Nudeln in das heiße Wasser. Dann nahm einen kleinen Topf, füllte ihn mit Wasser, schälte die Wurzeln, zerrieb sie über dem Wasser und würzte es. In einer Ecke neben dem Tisch stand ein Regal mit vielen kleinen Gläsern. „So, kleines Fräulein, die Nudeln mit Soße sind fertig“, rief er freundlich. Prinzessin Nudisi schaute um die Ecke, dann ging sie blitzschnell zum großen Tisch, der mitten im Raum stand, setzte sich auf einen kaputten Stuhl und sah den dreckigen Zauberer freundlich an. Er nahm lächelnd ihren Teller, füllte ihn mit Nudeln und Soße. „Bitte schön, kleines Fräulein, ich heiße Rindenbub, und du?“ – „Danke, dass du mir geholfen hast und mir Essen gibst. Nudisi heiße ich.“ – „Ah, Nudisi, ich habe schon von dir gehört. Viele Leute im Dorf sprechen von dir, weil du nur Nudeln mit Soße magst, und wenn es keine Nudeln mit Soße gibt, trittst du in den Hungerstreik. Morgen ernten wir alle Nudeln und dann bringe ich dich zum Schloss.“ – „Wir ernten Nudeln, Rindenbub?“ – „Ja, Nudisi, ich bin ein Zauberer, vor meiner Hütte steht ein großer Nudelbaum, den ich durch meinen Zauber erschaffen habe.“ Erschrocken schaute Nudisi ihn an. „Nur keine Angst, Prinzessin Nudisi, ich bin ein guter und kein böser Zauberer, ich habe nichts Böses im Sinn.“ Freundlich schaute sie ihn an und genoss die Nudeln mit Soße. Auch der dreckige Zauberer langte zu. Anschließend gingen sie nach draußen und schauten sich lächelnd den Nudelbaum an.

„Das Zimmer gehört dir für diese Nacht, Nudisi, ich habe eine dicke Matte, darauf schlafe ich diese Nacht.“ – „Danke, Rindenbub, ich bin sehr müde. Gute Nacht.“ – „Gute Nacht, Nudisi.“ Nudisi ging in das kleine enge Zimmer, legte sich auf das kaputte Bett. Schnell schlief sie ein. Rindenbub ging strahlend zum Schloss, suchte sich ein leeres Plätzchen, sagte seinen Nudel-Zauberspruch auf und eilte lächelnd nach Hause. Erschöpft legte er sich auf die dicke Matte und schlief ein. Kurz bevor die Sonne hochkam, ging Nudisi zum Nudelbaum, strahlend vor Freude schaute sie ihn an. „Guten Morgen, Prinzessin, so früh schon auf?“ – „Guten Morgen, Rindenbub, ich konnte nicht mehr schlafen, habe vom Nudelbaum geträumt.“ – „Haha“, lachte der dreckige Zauberer und schaute lächelnd den Nudelbaum an. „Ich war gestern noch beim Schloss, jetzt hast du deinen eigenen Nudelbaum.“ – „Ich habe einen eigenen Nudelbaum?“ – „Ja, schöne Nudisi, im Garten vom Schloss steht dein eigener Nudelbaum. Nun komm, lass uns die Nudeln ernten, die verteilen wir im Dorf an die armen Leute, dann bringe ich dich nach Hause.“ Der dreckige Zauberer kletterte auf den Nudelbaum und reichte die geernteten Nudeln Nudisi. Am Abend hatte Rindenbub noch eine Schüssel an den Baum gestellt, Nudisi legte die Nudeln in die Schüssel, die immer größer wurde. „Die Schüssel ist viel zu groß, um sie ins Dorf zu tragen“, meinte Nudisi. „Tragen brauchen wir die Schüssel nicht, kleines Fräulein, ich kenne einen Zauberspruch, dann fliegt sie blitzschnell ins Dorf und wir gehen ohne sie tragen zu müssen gemütlich zum Dorf.“ Lachend schaute Prinzessin Nudisi den dreckigen Zauberer an, der nun auch vor der riesigen Schüssel stand. „Schüssel, Schüssel, hopp, eile im Galopp.“ Da erhob sich die riesige Schüssel, flog hoch, immer höher, bis über die riesigen Bäume, und flog blitzschnell davon.

Der dreckige Zauberer ging in die schiefe Hütte, packte ein paar Sachen ein und verließ sie eilig. „Komm, Nudisi, lass uns zum Dorf gehen.“ Nach einem langen Marsch erreichten sie endlich das Dorf. „Ah, da ist ja die Schüssel“, rief der Zauberer vor Freude und eilte zu ihr. Die riesige Schüssel erhob sich und flog neben dem Zauberer her durchs kleine Dorf. Lachend folgte Nudisi den beiden. An jeder Hütte blieb der dreckige Zauberer stehen, klopfte und überreichte den lächelnden Leuten Nudeln. Die Leute bedankten sich freundlich beim Zauberer und eilten vor Freude in ihre Hütten. „Nun komm, Kleines, lass uns zu deinem Nudelbaum gehen.“

„Wo ist denn der Nudelbaum, Rindenbub?“ – „Hier sollte er eigentlich stehen, aber jemand hat ihn gefällt“, rief der Zauberer und zeigte auf einen Baumstumpf. „Mein schöner Nudelbaum, oh, mein schöner Nudelbaum“, schrie Prinzessin Nudisi und guckte traurig den Baumstumpf an. Von weitem rief die Königin: „Mein Engel, was habe ich mir für Sorgen gemacht, es gibt doch noch andere gute Gerichte, da brauchst du doch nicht fortzulaufen!“ Sie eilte zu ihrer lieben Tochter und nahm sie voller Freude in die Arme. „Mam, wer hat meinen Nudelbaum gefällt?“ – „Ich habe den Baum fällen lassen, die Nudeln sind doch bestimmt ungenießbar, es gibt keinen Nudelbaum, Nudisi“, meinte der König, der auch hinzugetreten war. „Doch, Vater, es gibt einen, Rindenbub hat ihn erschaffen.“ Da sah der König den dreckigen Zauberer hinter der Königin stehen und eilte auf ihn zu. „Wer bist du, Lump, und was machst du hier?“, schrie er den Zauberer an. Der Zauberer schaute ihn freundlich an. „Vater, das ist Rindenbub, der freundliche Zauberer. Er hat mir geholfen und den Nudelbaum für mich erschaffen, weil ich so gerne Nudeln esse.“ – „Ah, ein freundlicher Zauberer, na, dann danke ich dir. Erschaffe doch einen neuen für meine Tochter und koche für sie, denn ich mag nicht nur Nudeln mit Soße und langsam hängen sie mir auch zum Hals heraus“, meinte der riesige König und eilte mit der schönen Königin ins Schloss. Rindenbub erhob die Hand, sagte lächelnd den Zauberspruch auf und schaute Nudisi freundlich an. Husch, da kam blitzschnell ein Baum aus der Erde geschossen, wuchs und wuchs, an allen Ästen hingen Nudeln. Nudisi und Rindenbub ernteten welche und eilten ins Schloss. Schnell bereitete der Zauberer ein köstliches Nudelmahl. Nudisi ging fröhlich in den Speisesaal, endlich gab es jeden Tag Nudeln mit Soße.

 

© Heiko Wohlgemuth

 

Zaubernuss (Nudelbaum)